Sometimes it´s not nice to be me

 
 

ONE

Der feien Sand und das Wasser der Religionen
von Melanie Suchy

Sie bauen Mauern, schichten sie um, verschanzen sich dahinter oder treten hervor; sie errichten einen Turm, alles fällt explosionsartig in Trümmer. Das Tanzprojekt „One“ setzte sich weiße Kartons auf steinähnliche Bühnenelemente in die Choreographie, so dass man sich allerlei dazu denken kann: zur Geschichte, zum Mit- und Gegeneinander der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum, Islam. Feiner Sand kommt rieselnd oder als Wurfgeschoss ins Spiel und erinnert an die Wüste, den gemeinsamen Herkunftsort. Wie Wasser wird er manchmal sogar zum Waschen benutzt: ein Hinweis auf Rituale.
Im Auftrag der Jüdischen Kulturtage probten die Choreographen Tarek Assam, Jason Jacobs und Guido Markowitz mit sieben jungen Erwachsenen und erschufen gemeinsam ein beachtliches Werk. Immer wieder geht es da, zu wechselnder Musik, um den Zusammenhalt und die Ausgrenzung, nette Zweisamkeiten und Gewalt. Gestückelte Bewegungen des Betens: Die Tänzer klopfen aufs Herz, knien aufrecht, drücken den Kopf zu Boden; sie zitieren chassidische Hüpfer, israelische und arabische Folklore. Ansonsten tanzen sie modern schwungvoll und ein bisschen Hip-Hop, was etwas beliebig wirkt, wie einiges an „One“. Doch die Amateure, Halbprofis und Jungprofis machen das alles prima, sehr konzentriert. Schade, dass Köln ein Treff für tanzwillige Jugendliche fehlt, denn das Projekt fand nur schwer seine Teilnehmer.

Kölner Stadt-Anzeiger 16./17. April 2011

 
 

And so what!

FAZ 27.09.2010

UND ES LEUCHTEN DIE AUGEN!

Berlin hat mit Strawinsky den Rhythmus vorgegeben, Frankfurt antwortet mit Miles Davis darauf ganz selbstbewusst: Na und? ... In Frankfurt war für das Jugendprojekt von Tanzlabor 21 mit der hr-Bigband unter der Miles-Davis-Paraphrase „And so what!“
Allerdings das Bekenntnis von Stadt, Land und Sponsoren in einer raumgreifenden Stiftungsallianz nötig, um die gefährdete, seit knapp fünf Jahren erfolgreich arbeitende Initiative mit zeitgenössischem Tanz auch künftig fortführen zu können. Man kann nur dankbar dafür sein und hoffen, dass möglichst viele Verantwortliche für Kulturförderung die jetzige Uraufführung im Frankfurt LAB gesehen und gehört haben. Denn was die 60 Schüler unter Anleitung von Profitänzern und dem Choreographen Guido Markowitz zur Musik der hr-Bigband mit Ed Partyka in der gut einstündigen Performance auf die Bretter brachten war der Berliner Initiative durchaus ebenbürtig.
Was vor allem bestach war die Interaktion zwischen Musik und Bewegung ohne in die Klischees wohlbekannter Musical-und Getto-Gestik zu verfallen, wie man sie aus der Fließbandproduktion von Videoclips zum Überdruss kennt. Guido Markowitz hat ein Stück ohne Handlung, aber mit stets präsentem emotionalem Beziehungsgeflecht zwischen Liebe, Konflikt, Freundschaft, Streit und Versöhnung geschaffen mit kraftvoll-chaotisch anmutenden Ensembles, lyrischen Pas de deux oder Soli, die die Tänzer zwischen 14 und 20 Jahren mit bewunderungswürdigem Talent, mit jugendlichem Charme und erstaunlicher tänzerischer Eleganz, vor allem aber mit spürbarer Leidenschaft ausführten.
Die Breakdance-Elemente und Kong-Fu-Adaptionen, die Hip-Hop_Anklänge und die Jazzdance-Bewegungen gingen so fließend ineinander über wie die kraftvollen Funkjazz-Rhythmen aus der Feder von Miles Davis in die suggestiven Klänge aus Puccinis „Tosca“ im Sound der souveränen Bigband. Alles war instinktsicher in einen stilistisiert-künstlerischen Modern Dance eingebunden. ..So gehörten noch zufällig die lyrischen Passagen von Puccinis Arien – die Miles Davis tatsächlich einmal jassmäßig arrangieren wollte – zu den schönsten teilen der Aufführung. Zu „Vissi d`arte“ mit einem feinem Flügelhorn-Solo von Alex Schlosser schritt das Ensemble mit umgekehrten schwarzen Schirmen, aus denen dann bei den Pirouetten der TänzerInnen weiße Flocken hervorquollen und das Terrain in einem weißen Schneeteppich verwandelten, als habe man Bing Crosbys „White Christmas“ leicht ironisch in die Szene setzen wollen.
...Ein Hoch auf die Jungen Amateure, bei denen man sich nicht wunderte, würde man dem einen oder der anderen später einmal im professionellen Tanzensemble wiederbegegnen.

Wolfgang Sandner

 
 

Hammerzeiten

Strahlende Jugendliche tanzen „Hammerzeiten“
Im Tanzhaus NRW zeigen jugendliche Hauptschüler was sie können.

„Wisch die Kotze deiner Mutter weg.“ „Keiner braucht dich, keiner will dich, also halt einfach die Fresse!“ Worte die schocken, Worte die bewegen, Worte aus dem Tanz-Theaterstück „Hammerzeiten-wer wir wirklich sind“, das im Tanzhaus NRW in Düsseldorf aufgeführt wird. Es ist kein normales Stück das dort geübte Profi-Tänzer aufführen. Es ist ein Stück, das von 25 tanzbegeisterten Jugendlichen, von denen die meisten Düsseldorfer Hauptschulen besuchen, aufgeführt wird. Ein Stück, das unter dem Projekt „Take off“ läuft, welches versucht, Jugendliche für das Tanzen zu gewinnen. Es wendet sich an Jugendzentren oder Schulen, um jungen Leuten, die nicht die finanziellen Mittel haben um teure Tanzkurse zu belegen, die Chance zu geben, Leidenschaft zu entfachen und auszuleben.
„Hammerzeiten“ ist ein Stück über grausame Schicksale, Gewalt und Jugendkriminalität. Der Choreograph Guido Markowitz ist der Leiter des Projekts. Er hat sich die „Storyline“ des Stücks überlegt und mit den Schülern intensiv gearbeitet.
„Anfangs habe ich mit den Schülern eine feststehende Szene des Stücks geübt, damit sie sich kennenlernen, mich kennenlernen und beginnen zu vertrauen“, sagt Guido Markowitz. „Schließlich hatten sie die Möglichkeit über ihre Erfahrungen mit Gewalt zu erzählen. Sie mussten dabei nicht von sich berichten, sondern konnten auch von Freunden sprechen, oder sich Ereignisse ausdenken“, so Markowitz. Dabei vertrauten die Schüler ihm schlimme und schmerzende Erfahrungen an, die dieser dann teilweise in das Stück einbaute.
Diszipliniert arbeiteten die Jugendlichen. Und das zahlte sich aus! Die jungen Tänzer brachten ein großartiges Stück auf die Bühne und begeistern viele Zuschauer. Bald wird nun sogar ein Dokumentarfilm von Ute Hilgefort über die Entstehung des Stücks und den Prozess der Jugendlichen erscheinen.
Über die Hauptaussage des Stücks sagt Markowitz: „ Es ist ein Stück über Gewalt und vor allen Dingen über Gewalt unter Jugendlichen. Ein Thema über das viel diskutiert wird. Doch Gewalt gab es schon immer. Jede Generation erlebt verschiedene Formen der Gewalt. Und: Ganz wichtig: Die Jugendkriminalität ist in den vergangenen Jahren gesunken. Wir haben also guten Grund weiterhin auf Besserung zu hoffen.“
„Jugendkriminalität gesunken!“ Groß wird diese Schlagzeile auf Leinwand projiziert, davor tanzen Jugendliche ausgelassen und glücklich auf der Bühne. Dann: tosender Applaus, junge Menschen, deren Wurzeln aus 14 unterschiedlichen Nationen stammen, nehmen sich an den Händen und neigen ihre strahlenden Gesichter zu Boden, um sich gebührend beim Publikum zu bedanken.
„Hammerzeiten“-Ein Stück das nicht nur das Publikum begeistert und bewegt, sondern Jugendlichen mit schlimmen Geschichten und schlechten sozialen Verhältnissen Selbstvertrauen gibt und Grenzen verschiebt. Ein Stück, in dem Jugendliche die von vielen Menschen unterschätzt, beleidigt, belächelt oder bemitleidet werden, zeigen, was sie draufhaben!

Bonner Generalanzeiger

 
 

anime

Kontrollverlust im Wunderland.
Der erste Kinobesuch im Leben eines Menschen gilt in den meisten Fällen einem Animationsfilm und das heißt dann: Illusion pur, ein weggebeamtes Bewußtsein, so heftig wie später vielleicht bei einem Drogenrausch?
Das scheint jedenfalls der Ansatz, den Guido Markowitz für sein Tanzstück "anime" gewählt hat.
Walt Disneys "Alice im Wunderland" - in den 60er Jahren ein Kultfilm bei Drogenparties - taucht leitmotivisch auf, und die vier aufregend unterschiedlichen Tänzer des Abends präsentieren ihre Version des Kontrollverlustes. ...
Die Ästhetik, mit der Markowtiz und sein Team die psychodelischen Effekte filmisch und tänzerisch erzeugen, ist beeindruckend innovativ.

Kölner Stadtanzeiger

 
 

DIE SCHWARZEN BRÜDER

..Umjubelt und glänzend choreographiert ist der Auftritt der Wölfe, einer rivalisierenden Jugendbande, die den Kampf mit den Schwarzen Brüdern sucht….
…Wenn am Ende das ganze Ensemble die Hymne „Ich bin so frei“ anstimmt, feiert ein begeistertes Publikum die gelungene Musical-Premiere mit stehenden Ovationen…

Florian Weiland, ,Südkurier Konstanz

..Die Regie füllt die weiträumige und verwandelbare Bühne mit abwechslungsreichen Bildern und mit eindrucksvollen Tanzszenen und Bewegungschören. Die gelungene Premiere bekam starken Applaus….

Monica Zahner, ,Schaffhauser Nachrichten

..Trotz der bedrückenden Atmosphäre, Hunger, Gewalt und Tod wird das Musical zu einem emotional berührenden und farbenfrohen Erlebnis. Dafür sorgen der Gesang, die abwechslungsreiche Musik des 21st Century Ochestra und die Show- und Tanzeinlagen…
…Für Auflockerung sorgt der Breakdance der „Wölfe“. Die Tanztruppe spielt eine Jugendgang aus Mailand…..

Silvia Minder, ,Solothurner Tagblatt, Berner Oberländer, Berner Zeitung

...und sich an der imponierenden Gesamtleistung ... An den eindrücklichen Chor- und Ballettszenen wenn die Kaminfeger um die frisch angekommenen Spazzacamini aus dem Tessinerland feilschen oder wenn die Serviermädchen sich in der Herrschaftsküche zum Cancan verbinden…..

Charles Linsmayer, ,St.Galler Tagblatt, Appenzeller Zeitung, Der Rheintaler

Kombiniert mit den fantasievollen Kostümen von Erna Büchel und der Choreographie von Guido Markowitz Zählt das Musical „Die schwarzen Brüder“ sicher zum Besten was die Schweiz in den vergangenen Jahren sah.

Schweiz. Depeschenagentur, ,Bern

….. krönt eine Bühnenproduktion, die man guten gewissen als bislang bestes Schweizer Musical bezeichnen….. Bei der Musicalumsetzung beeindruckend aufs erste Auge der Personelle Aufwand und die stylsichere optische Gestaltung…..

Phillippe Amrein, ,Tages Anzeiger Gesamt

.. Dank ihnen und dem realen Hintergrund des Musicals heben sich „Die schwarzen Brüder“ wohltuend vom üblichen Musical-Kitsch ab.

Ildiko Hunyadi, ,Blick


Aus Lisa Tezners und Kurt Helds Roman „Die schwarzen Brüder“ ist in der Schaffhauser Stahlgießerei ein Reigen berührender Bilder geworden. Es sind Bilder voller Klang und Bewegung : Die jungen Kaminfeger in Mailand, die mehr oder weniger schäbigen Erwachsenen für die sie dir Drecksarbeit erledigen, die Straßengang, Marktleute und ein Engel – die alle haben ihre ausdruckstarke Musik und Choreographie… Das Produktionsteam des neuen Musicals hat mit großem Einsatz viel gewonnen….

Herbert Büttiker, ,Thurgauer Zeitung, Der Landbote

 
 

ABFLUG

'Abflug!' gegen die Grenzen im Kopf

"Abflug!", das Tanzprojekt gegen Rassismus, gegen die Grenzen im Kopf und für die multikulturelle Verständigung, begeisterte im Rahmen von "Take-Off. Festival Junger Tanz" im tanzhaus nrw, Düsseldorf. Wegen der großen Nachfrage wird die Tanzperformance des international tätigen Choreographen Guido Markowitz auch weiterhin aufgeführt. Zusammen mit seiner choreographischen Assistentin Sabine Lindlar studierte der Künstler mit 13 jungen Erwachsenen zwischen 15 und 2o Jahren eine 50-minütige Geschichte ein, die den Kampf zwischen schwarz und weiß und die Problematik der Rassendiskriminierung widerspiegelt. Das die Welt in bunten Farben und offenen Grenzen im zwischenmenschlichen Bereich fröhlicher ist und nicht nur im schwarz und weißen denken, wird bei "Abflug!" deutlich dargestellt.
13 junge TänzerInnen unterschiedlicher Herkunft gingen nun in einem intensiven Probenprozess unter der künstlerischen Leitung von Guido Markowitz den Vorurteilen gegen unbekannte Kulturen auf den Grund.
Die weißen Menschen bleiben in ihrem Bereich, die schwarzen bleiben bei sich. Niemand wagt es, in die Welt des anderen zu tanzen. Bis die Liebe sich einschleicht, zwischen die zwei Welten, eine Liebe, die angeblich nicht sein darf und Menschen verschiedenster Herkunft zu Außenseitern macht, als sie zusammen entdeckt werden. Das und Situationen aus dem Alltag, die sicher jeder von uns kennt sind Inhalte von "Abflug!" und alles ändert sich erst, als endlich jemand sagt: "Ich will nicht immer nur schwarz und weiß sehen und denken! Ich will dass die Welt bunt wird!"
"Bildgewaltig, inspiriert von der MTV Generation ist das Tanztheater von Guido Markowitz" steht auf seiner Homepage passend zu diesem Projekt
Passender ist es nicht ausgedrückt, genauso wie die dortige Beschreibung:
"In seinen Arbeiten bezieht er sämtliche Sparten mit ein, mischt Generationen und bringt Tänzer gemeinsam mit Turnern und Break Dancern auf die Bühne. Sein Blick auf das Zeitgeschehen ist immer ein scharf analysierender und seine Eindrücke setzt er für die Bühne um mit Mitteln des zeitgenössischen Tanzes, neue Medien und durchmischt es mit Pop."

Bericht: Olaf Demmerling

 
 

BATTLE YOUR OWN LIFE

Wer hier auftritt, ist bestimmt kein Superstar zur Ergötzung eines Fehrnsehmillionenpuplikums. Doch Auftritt ist Auftritt. Wenn nun im Tanzhaus 18 Jugendliche die Chasting-Welt auf die Schippe nehmen, tun sie das nicht aus abgelärter Distanz heraus, sondern machen die Lust zu posieren, mit dem Körper zu glänzen.Choreograph Guido Markowitz scharte monatelang Tanzbegeisterte um sich, die nun ein beeindruckendes "Battle your own Life". ...Am schönsten ist die Fähigkeit der Darstellerinnen zur Selbstironie, etwa wenn sie auf die Ansage Robbie Williams hin in Gekreisch ausbrechen und zur beleuchteten Rückwand hinjubeln, als sei dort die Glitzerwelt. In Wahrheit ist dort eine Mauer.

Rheinische Post

Sie Überfluten uns täglich, auf fast allen Fehrnsehsendern: Casting-shows. Und das ist gefährlich - finden die 19 Jugendlichen bei Battle your own life. Das einstündige Tanztheater für Jugendliche des Tanzhauses ( Regie. Guido Markowitz) setzt sich auf gelungene Weise kritisch und humorvoll mit dem Schneewittchen-Prinzip auseinander.Denn immer ist irgendjemand schöner, besser und glücklicher. "Welches Lächeln soll ich aufsetzen? Welche Pose ist gewagter? Was soll ich anziehn?", fragen sich die Jungen und Mädchen - und zeigen damit die Oberflächlichkeit des Showbusiness. Sie tanzen miteinander und doch gegeneinander, schreien sich an , kämpfen. Die Konkurenz ist groß, der Druck enorm. Mit bloder Perücke und glänzendem Krönchen hüpfen die Chastingteilnehmer über die Bühneund können der Schönheitswahn-Spirale nicht entkommen - wer verliert oder aussteigt, wird geächtet. Oder leidet unter dem Druck: Ein Junge wird alkoholanhängig; ein Mädchen findet sich zu dick und Übergibt sich nach dem Essen.
Westdeutsche Zeitung

 
 

SHAKESPEARE IN DANCE

Shakespeare in Dance" zeigte die diesjährige Jugendkulturwoche. Getanzt wurde vor zweimal ausverkauftem Haus die Geschichte von "Romeo und Julia". Über 120 Mitwirkende aus fast einem Dutzend Jugendgruppen brachten ihre Fähigkeiten ein, um die tragischste alle "Boy-Meets-Girl-Geschichten" in Tanzbilder umzusetzen. Unter der gestaltenden Anleitung von Tarek Assam und Guido Markowitz gelang das Projekt auf bejubelte Weise, weil sich alle Beteiligten so organisch in das Gesamtbild integrieren konnten, dass an keiner Stelle Brüche oder gar Langeweile sürbar wurden. Im Gegenteil! Das Tanzspiel strotzte vor Lebendigkeit, manche Szenen kamen so rasant, dass der spontane Zwischenbeifall des Publikums regelrecht unterdrückt wurde. Vielfach kam man aus dem Staunen nicht heraus: Das fing schon mit dem dichten Prolog, vom Balkon des Theaters aus gesprochen, an, dem eine intensive Szene mit Schülern der Steinburgschule folgte. Diese, teilweise in Rollis, wurden wie selbstverständlich eingebunden und die Polonaise erzeugte ein Bild derartig intensiver Dichte, die über das Gefühl oberflächlichen Angerührtseins weit hinaus ging.

NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU

 
 

WILDE ZEITEN

Das Wort Projekt ist zu vergessen.
Wie bringt man die Kultur in die Schulen? Ein Münchner Kongress

"Die Jugend will lieber angeregt als unterrichtet sein", heißt es bei Goethe, und wie um sein Zitat für die Gegenwart zu bestätigen, wirbeln jetzt Jugendliche der Tanzproduktion "Wilde Zeiten" über die Bühne der Münchner Kammerspiele - zu fetten Beats, in Kapuzenpullis und mit so viel Leidenschaft, dass die Laientänzer sofort das vollbesetzte Haus auf ihrer Seite haben. Das Stück, das der Choreograf Guido Markowitz vom Düsseldorfer Tanzhaus "nrw" zusammen mit sozial benachteiligten Schülern entwickelt hat, eröffnete dieser Tage den 4. Kongress der Bildungsinitiative "Kinder zum Olymp".
Süddeutsche Zeitung

 
 

TABALUGA

Coesfeld. Bei der Premiere von „Tabaluga und Lilli“ gab sich im Nachhinein ein prominenter Zuschauer zu erkennen. Es war der TV-Schauspieler Moritz Sachs, allen gut bekannt als "Klausi Beimer" aus dem ARD-Dauerbrenner "Lindenstraße".

Die Coesfelder Version von „Tabaluga und Lilli" hat ihn stark beeindruckt. Es sei auf jeden Fall für Erwachsene und besonders für Kinder tauglich. Die bunten und fantasievollen Kostüme und Masken seien wirklich großartig. Alle Gags hätten toll funktioniert, besonders als beim Schlussapplaus der geschmolzene Artkos als Wassereimer mit Hut präsentiert wurde.

Beim einsetzenden Regen haben die jugendlichen Darsteller wie Profis gespielt, als würde die Sonne scheinen. Sein Schlussresümee war: „Man konnte wirklich sehen das die jugendlichen Schauspieler intensiv an diesem Musical gearbeitet haben, das war eine tolle Leistung. Der Tabaluga-Darsteller Jan-Eike Majert hat wirklich das Zeug zum Profi. Ich war echt überrascht, dass die Freilichtbühne Coesfeld komplett überdacht ist, da sitzen die Zuschauer ja immer im Trockenen.“

Bei der anschließenden Premierenfeier gratulierte Klausi Beimer den Tabaluga-Darstellern noch einmal persönlich zur Premiere

Coesfelder Nachrichten

 
 

PLATEE

Ein großer Wurf gelang dem Linzer Landestheater mit Anthony Pilavachis Inszenierung von Rameaus Ballettkomödie „Platèe“. Ein überaus attraktives Zusammenspiel von Regie, Choreographie und Musik.. Ganz wichtig war dabei auch das Ballett, dem in diesem „Ballet bouffon“ ganz große Bedeutung zukam und das von Guido Markowitz choreographisch ideal in die Szenerie integriert worden ist.

OÖ Nachrichten

Für die von einem achtköpfigen Ensemble dargebotenen Ballettszenen hatte Guido Markowitz eine witzige wie anspruchsvolle Choreographie erarbeitet, denn mit historisch-höfischen Schreittänzen wäre eine solche hinreißende Wirkung in der heutigen Zeit wohl kaum zu erzielen.

Harald Lacina

 
 

PETER PAN

Gemeinsam mit Peter Pan und seiner Fee müssen die Geschwister Abenteuer mit Seeräubern, Indianern und einem Krokodil, das eine Uhr verschluckt hat, bestehen. Dabei geht es selbst in der phantastischen Welt der Kinder nicht ohne Eifersüchteleien, Intrigen und Neid ab, und die sorglose Unschuld des Kindseins trägt in der Geschichte von „Peter Pan“ stets ihre Kehrseite der manchmal brutalen Gedankenlosigkeit bei sich.

Phantasievolle Kostüme, spritzige Choreographien vor einer perfekten Musikkulisse und vor allem professionell anmutende schauspielerische Leistungen der ausnahmslos ehrenamtlich vor ausverkauftem Haus agierenden Laienschauspieler machten die Reise auf die fantastische Insel „Neverland“ für die Zuschauer im RekenForum zu einem Vergnügen. Dafür wurden die Akteure nach dem letzten Vorhang mit verdientem Beifall belohnt.

Coesfelder Nachrichten

 
 

LUST

Männer, Objekte der Begierde
Die Tanztheater-Revue "Lust" am Staatstheater Darmstadt

Wer sich der Lust im Staatstheater Darmstadt hingeben will, muß sich durch einen engen Spalt eines knallroten Vorhangs zwängen, der das Foyer zur Werkstattbühne absperrt. Dahinter rennt das Ensemble zwischen den Zuschauern herum, verschwindet in den Toiletten, sucht sich Tanzpartner im Publikum oder macht Gruppenfotos in der Menge. Zwei Bodybuilder bewachen wie Zerberus, der Höllenhund, die Eingänge zum Theaterraum, aus dem rotes Licht hinaus ins Foyer dringt. An Ringen dürfen sie ihre muskulösen Körper nach oben ziehen und mit ihrer sportlichen Leistung beeindrucken.
Endlich drinnen, legt ein Tänzerpaar zwischen weißen halbdurchsichtigen Stellwänden, die im ganzen Raum verteilt sind, ein schönes Duo hin. Ein paar verschwommene Videobilder flimmern über die Wände, und zwei Frauen bieten in einer Parodie auf die unzähligen Verkaufsshows im Werbefernsehen die beiden Bodybuilder als "Dreamlovers" zum Verkauf feil. Guido Markowitz dreht den Spieß einmal um und macht die Männer, die hier nur Ausziehpuppen sind, zu Objekten der Begierde. "Für Jugendliche unter 17 Jahren nicht geeignet", unkt das Plakat. Doch wer bei "Lust", der Tanztheater-Revue von Guido Markowitz und Thomas Langkau, viel nackte Haut oder derbe Worte erwartet, wird enttäuscht. Alles bleibt züchtig in weißer Unterwäsche oder schwarzen Hängekleidchen versteckt, so daß sich potentielle Erregungen erst gar nicht einstellen können. Schließlich ist das Theater ja eine Bildungsanstalt, und daran gilt es gerade auch bei der Lust unbedingt festzuhalten.
Zu einer erlesenen Musikauswahl, die von Bryan Ferry über Barry White bis hin zu Shirley Bassey reicht, macht er sich lustig über die Jagd nach dem makellosen Körper und der Lust, die für ihn vor allem ein Augenleiden ist. Denn nie ist man ihr so nah wie mit den Augen, die sich allerdings nicht mit dem von ihnen Angeschauten vereinigen können. Markowitz läßt die Damen in Latex gekleidet wippen und am Ende in Plastikfolie verpackt mit Gasmasken den dunkleren Seiten des Sexualtriebs frönen.

Gerald Siegmund, FAZ 10/14/03


Blitzschnelle Attacken
Tanz-Revue: "Lust" am Staatstheater: Ein vielschichtiges Spektakel aus Bild, Ton, Licht, Film und Choreografie.

Das vielschichtige Spektakel aus Bild, Sound, Licht, Film und Choreografie verlangt vom Publikum gleich mehrgleisige Konzentration.
Die Filmgeschichte ist in "Lust" ebenso präsent, wie es die Geschichte der Prostitution, die Pop-Kultur oder die Love Parade sind: Es geht um Sex und um Menschen als käufliche Waren von der Antike bis zur Gegenwart. Und der Zuschauer wird zum Voyeur.
"Lust" ist spektakulär, spielt mit Körpern und Körperteilen
genauso wie mit Raumgefühl und Wahrnehmung. Dabei ist Markowitz von Kopf bis Fuß aufs Frivole eingestellt. Er greift für seine Arbeit auf
einen üppigen Kostümfundus zurück, suggeriert unterschiedliche Stimmungen durch Filmeinblendungen mit viel Bewegung und Farbe.

Darmstädter Echo 10/6/03


Wenn nackte Haut Schweinehälften assoziiert...
In schneller Folge wechseln sich diese Tanzszenen mit kurzen Szenen ab, in denen vor allem die Frauen alle Spielarten des sexualisierten Alltags darstellen, mal in hauchdünnen Überwürfen, mal in grotesken Verkleidungen, die die Erotisierung konterkarieren. Ein Höhepunkt ist die Männer-Auktion, bei der zwei schrill gekleidete und redende Frauen einem imaginären weib- lichen Publikum zwei junge Männer wie (Sex-)Sklaven anbieten und dabei auch die verschiedenen körperli- chen Maße und Besonderheiten herausstellen. Hier wird die übliche "Feilbietung" des weiblichen Körpers in den Medien am Beispiel "Mann" auf groteske Weise parodiert. In einer anderen Szene paradieren .Das Ende des ersten Teils steigert sich in einen wah- ren Rausch der sexuellen Destruktivität, mit allen an- gedeuteten Perversitäten und Brutalitäten. Zweikampf pur zwischen Mann und Frau - sehr schön getanzt als "Schattenboxen" - Wut, Frust, Aggression und dazu Kriegsgeräusche aus dem Off. Alles endet in einem tosenden Untergang - Sodom und Gomorrha ver- schwinden von der Bildoberfläche, hier in Form einer Blitzräumung der Bühne durch die Darsteller.

Egotrip online




Neckische Spielchen – auch in Feinripp – Unterwäsche

Deftig, aber nicht skandalös: Der Tanztheater-Abend „Lust“ in der Werkstatt des Staatstheaters Darmstadt

Lust kann lustig sein. Wenn das Vorspiel stimmt und sich die potenziellen Voyeure erst einmal durch eine verteufelt enge Plastikritze zwängen müssen, um in den Garten der vermeintlichen Lüste zu gelangen, das hat was. Zugegeben, auf der mit Videobänden flankierten Bühne, geht es mitunter ganz schön zur Sache. Doch niemals gleitet die Präsentation diverser Befindlichkeiten unterhalb der Gürtellinie ins Obszöne ab. Gerade im ersten „Lust“-Akt stimuliert die Fülle der Bilder gepaart mit furiosen Tanz- und Spielszenen weit mehr als die treuherzige Analyse spezieller Sexualpraktiken. Diese Schilderung, weil ironisch gebrochen, treiben keinem die Schamesröte ins Gesichte. Ganz im Gegenteil, das Ganze präsentiert sich so komisch und darstellerisch brillant, dass das Publikum interessiert und gut gelaunt auf die nächste Unterrichtseinheit wartet. Die Mixtur aus Sprechtheater, Tanz und Parodie funktioniert vorzüglich, und die rasanten Kostüm- und Kulissenwechsel halten das Tempo der Inszenierung auf hohem Niveau. Wohltuende Kontraste setzen poetisch durchaus erotische Pas des deux die Ruhepunkte im schrillen Reigen der zehn Protagonisten markieren.

MAZ online